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Jered & Ashly Gruber; Nomadische Radsportfotografen

9. Oktober 2014 — CultureBlast
CultureBlast

Für die meisten Leute wird der Traum vom professionellen Radfahren genau das bleiben: ein Traum. Für Jered Gruber wurde er Wirklichkeit - bis er seine Frau Ashley traf. Zwar endete seine Karriere, sein Traum aber blieb bestehen. Gemeinsam haben die beiden ein neues Leben aufgebaut, in dem sie ihre Liebe zur Fotografie, zum Radfahren, zum Reisen und zu Abenteuern ausleben können.

Kannst du uns ein bisschen über dich und deine Frau erzählen? Wie lange seid ihr schon zusammen und wie habt ihr euch kennengelernt?

Der Tag, an dem ich Ashley kennenlernte, war derselbe, an dem meine Rennkarriere mehr oder weniger zu Ende ging. Sie ist das Beste, was mir je passiert ist, obwohl es für meine Radsportkarriere das Ende bedeutete. Rückblickend traf ich Ashley zum perfekten Zeitpunkt, denn sie verhinderte, dass ich mich für weitere Jahre dem Radsport verschrieb, ohne wirklich über grossartige Perspektiven zu verfügen.

Am 12. Februar 2008 war ich mit meinen guten Freunden Jacob und David auf einer Radrunde auf dem Campus der Universität Georgia unterwegs. Ich hatte eigentlich ein richtig hartes Training geplant, mich dann aber entschieden, einen entspannten Tag einzulegen und mich den Schönheiten der Universität zu widmen – sprich den Frauen.

Wir fuhren einen fiesen Anstieg namens Baxter hoch, um den wir sonst jeweils einen grossen Bogen machten. Als wir oben ankamen, schaltete die Ampel auf Rot und eine junge Frau ging über die Strasse. Sie trug einen langen Rock und lächelte. Ich konnte nicht anders als zu ihr hin zu fahren. Wir begrüssten uns und ich fragte, was für Musik sie gerade hörte (sie hörte Jimi Hendrix). So kamen wir ins Gespräch, wobei ich versuchte, nicht allzu sehr wie ein Stalker zu wirken.

Ich weiss auch nicht warum, aber aus irgendeinem Grund habe ich an diesem Tag aus dem Bauch heraus angehalten. Für meine Freunde muss das ein bisschen nach billiger Anmache ausgesehen haben, aber ich kann euch versichern, so etwas liegt mir wirklich fern. Ich war neugierig und wollte einfach mit ihr reden. Und das hab ich dann auf meine nicht allzu selbstbewusste Art und Weise gemacht.

Es war ziemlich offensichtlich, dass für sie mehr als ein bisschen Smalltalk nicht in Frage kommen würde. Sie erzählte mir, dass sie im Sommer für ein Forschungsprojekt nach China reisen würde und im Anschluss plane ein Jahr in Innsbruck zu studieren.

Normalerweise hätte mich das schon ein bisschen abgeschreckt, aber da war dieses magische Wort: Innsbruck.

Mein Vater wurde in Österreich geboren. Ich hatte bereits einen Sommer lang in einer kleinen Hütte in den Österreichischen Alpen verbracht. Ich liebe Österreich! Als sie von Österreich erzählte, wollte ich unbedingt weiter mit ihr sprechen. Es war ein total spontanes Gespräch. Ich fuhr auf dem Fahrrad neben ihr her, währendem sie nach Hause lief. Als ich endlich wieder bei meinen Freunden war, wollte Jacob sofort wissen: „Und, hast du ihre Nummer?“

Ich hatte zwar einen hochroten Kopf, als ich sie für ihre Nummer fragte, aber diese Chance wollte ich nicht verstreichen lassen. Ich habe sie noch am selben Abend angerufen und gefragt, ob sie Lust auf einen Drink hätte.

Sie sagte, sie sei nicht alt genug.

„Moment, wie bitte?“

„Ich bin 19“, sagte sie (ich war 24).

„Ok, wie wär’s mit Kaffee?“

„Ich mag eigentlich keinen Kaffee. Was hältst du von Tee?“

„Super! Ich liebe Tee.“

Die meisten Leute treffen sich zwar auf einen Kaffee, aber mir war das egal. An diesem Abend redeten und redeten wir. Wir trafen uns gegen 19 Uhr und gegen 4 Uhr in der Früh war ich wieder zu Hause.

Die Sache war gelaufen. Das war’s.

Und bis dahin? Als Kind bin ich viel herumgekommen. Geboren wurde ich in Oregon, aber ich wohnte auch in Kalifornien, Washington, New Jersey und verbrachte viele Jahre meiner Kindheit und Jugend in Stone Mountain, Georgia, bevor ich mich an der Universität von Georgia einschrieb. In der High School war ich so ziemlich das Gegenteil eines Ausdauersportlers. Ich habe Golf gespielt und so getan, als würde ich ambitioniert trainieren. In Wirklichkeit habe ich jeweils nach etwa fünf Minuten auf dem Green einen Bogen gemacht und mich meinem eigentlichen Lieblingssport gewidmet: Dem Basketball. Nach dem Schulabschluss habe ich eine Europareise gemacht, die mich vor allem nach Österreich führte. Dann habe ich beschlossen, mit Fahrradfahren zu beginnen.

Meine erste Ausrüstung habe ich erst ganz am Ende des Jahres 2001 zusammengekauft. Es war ein GT Rage mit Shimano 105-er Gruppe, CXP-22-Laufrädern und zerschlissenen Pedalen im Retro-Style, auf welchen ich in Sidi-Schuhen pedalierte. Ich kann das Rad noch immer vor meinem inneren Auge sehen. Ich habe es für 400 Dollar gekauft. So hat das mit dem Radsport angefangen.

Ich war überhaupt nicht gut und habe meine ersten Rennen in Shorts, T-Shirt und Baseballmütze nur mit Mühe überlebt. Trotzdem hatte ich grossen Spass dabei. Das war gut so, denn das Golfen interessierte mich nicht mehr. Ich war während der Grundschule und der High School der grösste Faulpelz des Golfkurses.

Also fuhr ich Rad. Ich fuhr und fuhr und fuhr und wurde langsam besser. Von der 5. Kategorie habe ich mich schon in der ersten Saison in die 4. Kategorie verbessert und im Jahr darauf stiess ich in die 3. Kategorie vor. Dann studierte ich ein Jahr in Heidelberg und bin dort Rennen gefahren, womit ich in die 2. Kategorie kam. In dieser Kategorie blieb ich während eines Jahres, bevor ich den Aufstieg in die 1. Kategorie schaffte.  Alles in allem ging es langsam aber stetig voran. Ende der Saison 2006 erhielt ich einen Platz im TIME Factory Development Team. Ich hatte zwar bereits ein Angebot aus Deutschland für die Saison 2007, war letztlich aber froh, dieses nicht angenommen zu haben.

Das TIME Team war das Nachfolgeprojekt des Mountain Khakis Team und nennt sich heute SmartStop. Im ersten Jahr waren wir nur einige wenige Leute. Wir hatten ein kleines Einkommen, lebten in einer Mannschaftsunterkunft und hatten mit Eric Saunders und Pat Raines die beste Teamleitung, die man sich wünschen kann. Zusammen mit dem Teamchef Jamie Bennett waren wir eine unglaublich coole Truppe.

Wir waren eine lustige Mannschaft, die hauptsächlich aus Fahrern bestand, welche ihr Potential bislang noch nicht ausgeschöpft hatten. Ich war zumindest einer davon. Schon nach kurzer Zeit unter der Führung der Teamleitung hatte ich mich komplett verändert. Bis heute verstehe ich nicht restlos, was in diesem Moment genau geschah, aber aus irgendeinem Grund glaubte das Team an mich und die anderen Fahrer. Ich bin in diesem Team richtig aufgeblüht und hatte einen Riesenspass. Ich hatte sogar ein bisschen zu viel Spass damals, aber es war zweifellos das beste Jahr, das ich in Sachen Radsport je hatte, und ich liebte jeden einzelnen Tag. Das Jahr 2007 war der pure Wahnsinn!

Im Jahr 2008 wurde aus der Mannschaft ein professionelles Team. Ende 2007 war ich schlecht drauf und irgendwie ging es abwärts. Wir hatten im Winter zuvor zu hart trainiert, im Anschluss zu viele Rennen bestritten und zu viel gefeiert. Radfahren machte mir zwar noch Spass, aber im Kopf stimmte es nicht mehr. Ich hatte keine Hoffnung mehr, besser zu werden. Irgendwie habe ich da das Ziel aus den Augen verloren.

Allen Umständen zum Trotz riss ich mich in diesem Winter zusammen und machte alles richtig. Es war der perfekte Winter und ich war im Februar in einer bestechenden Form.

Dann lernte ich Ashley kennen. Für eine Weile habe ich das Training mehr oder weniger ausgelassen, weil es absolut nichts gab, das ich lieber tat, als meine Zeit mit ihr zu verbringen. Zwar brachte ich das anstrengende Wintertraining anfangs noch lustlos hinter mich, aber Anfang Mai brach mit ihrer Abreise nach China für mich eine Welt zusammen. Ich war ein Wrack, geistig und körperlich.

Ich zog mich nach Colorado zurück, wo meine Eltern leben, um mich etwas zu sammeln. Ich verpasste das Rennen in Philadelphia, von dem ich so lange geträumt hatte. Letztendlich kam ich wieder auf die Beine, trainierte hart und trat zur Nature Valley an.

Ich hab mich gut geschlagen und an einem Tag bin ich gefahren wie ein Wahnsinniger und habe schliesslich das Trikot des aggressivsten Fahrers gewonnen. Letztlich ist diese Wertung nichts Besonderes, aber ich muss immer noch lachen, wenn ich aus Europa zurückkomme, den Schrank aufmache und das Trikot dort hängen sehe.

Ich bin Rennen gefahren und ich war glücklich dabei. Ich hatte viel Spass und bis heute ist Radfahren meine liebste Tätigkeit. 

Du warst eine Zeit lang Radfahrer, wünschst du dir manchmal, du würdest jetzt noch fahren anstatt als Fotograf zu arbeiten? Fehlen dir die Wettkämpfe?

Natürlich würde ich gerne wieder fahren. Ich habe ja aufgehört, als ich gerade erst in Schwung kam. Interessanterweise werde ich immer noch von Jahr zu Jahr besser. Ich hätte als Rennfahrer vermutlich schon Potential gehabt, aber mittlerweile habe ich mich an den Gedanken gewöhnt, dass ich nie ein grosser Rennfahrer geworden wäre. Obwohl ich diese Art von Lifestyle mochte, habe ich in einigen Momenten der ungeschönten Wahrheit gefühlt, dass ich die ganzen Wettkämpfe nicht wirklich mochte. Ich fuhr und fahre immer noch gerne Rad aber Wettkämpfe sagen mir eigentlich nicht viel. Ein alter Teamkollege, Mark Hekman, hat dieses Gefühl einmal sehr passend umschrieben. Er sagte „Rennen fahren ist ein tolle Ausrede, um viel auf dem Rad sitzen zu können.“ Das trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf.

Wie damals mag ich das Gefühl noch immer, fit zu sein. Ich mag das Training und das Gefühl besser zu werden. Ich liebe es, hart zu trainieren, mich zu erholen und danach wieder zu trainieren. Es hat etwas Magisches.

Ashley und ich nehmen jeden Winter eine Auszeit und gehen zurück nach Athens. Wenn wir heimkehren, sind wir meistens müde und überhaupt nicht fit nach Monaten stressiger Arbeit. Wenn wir nach gut einem Monat wieder aufbrechen, bin ich fit und glücklich und bereit, das nächste Jahr anzugehen. Ich fahre untrainiert in den Urlaub und kehre einigermassen fit wieder zurück zur Arbeit.

In diesen Momenten ist es durchaus frustrierend, weil die Freunde, mit denen ich trainiere, sich auf den Saisonstart vorbereiten. Sie sind heiss auf die bevorstehenden Wettkämpfe, und wenn ich nach Europa aufbreche, geht die Rennsaison los. In diesem Moment tut es am meisten weh, kein Rennfahrer mehr zu sein. Es macht mich etwas traurig, dass ich diese Abenteuer nicht mit ihnen teilen kann.

Wenn wir aber erst in Belgien, dann in Italien und in all den anderen Ländern sind, bereue ich nichts mehr. Ich würde vieles verlieren, wenn ich wieder Rennfahrer würde.

Ich liebe das Radfahren, ich liebe die Wettkämpfe und manchmal wäre es cool noch Rennen zu fahren – ganz egal auf welchem Niveau. Ich würde gern in den USA ein paar kleine lokale Rennen mit einem Fahrerfeld von vielleicht 50 bis 80 Fahrern bestreiten. Diese waren mir nämlich schon immer am liebsten. Ich träume nicht von der Tour de France, das steht fest. Aber wenn ich mir ein Rennen aussuchen könnte, dann würde ich gerne die Flandern-Rundfahrt fahren.

Ist es richtig, dass du erst seit kurzem als Fotograf tätig bist? Wie kamst du zur Fotografie und im speziellen zur Radsportfotografie?

Ich habe meine erste digitale Spiegelreflex-Kamera 2009 erhalten. Es war eine Nikon D40 für 400 Dollar. Innerhalb von drei Jahren haben wir jede Nikon-DSLR gekauft, die es gab, und sind schliesslich beim Spitzenprodukt angekommen. Um ehrlich zu sein, ist es etwas aus dem Ruder gelaufen (lacht).

Ich habe schon immer gerne fotografiert. Seit dem Jahr 2002 hatte ich immer eine kleine Digitalkamera bei mir. Ich habe aber nie erwogen, mit dem Fotografieren durchzustarten, sondern mochte es einfach. Nach dem Jahr 2009 nahm das Ganze dann seinen Lauf. Meine Begeisterung eröffnete mir viele Möglichkeiten.

Es ist leichter, wenn man über Dinge schreibt, mit denen man sich auskennt. Genauso ist es beim Fotografieren. Es ist einfach sinnvoll mit dem anzufangen, was man schon kennt und liebt. Ich liebe Radrennen und ich liebe Radfahren noch viel mehr. Ich kann mir keinen besseren Job vorstellen. Wir reisen, fahren Rad und fotografieren. Ich habe eine nie versiegende Energiequelle für den Radsport. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Ich liebe Fahrräder, das Fahrradfahren und Radrennen. Ich mag es die Eindrücke bildlich festzuhalten und darüber zu lesen. Ausserdem interessiere ich mich für die Geschichte der grossen Rennen, für Leute die im Radsport in irgendeiner Funktion aktiv sind - es gibt eigentlich nichts rund ums Fahrrad, das mich nicht interessiert.

Innerhalb kürzester Zeit hast du dir als einer der wichtigsten Bike-Fotografen einen Namen gemacht. Wie hast du das gemacht?

Das ist echt schwierig zu sagen. Wenn ich auf die letzten drei Jahre zurückblicke, bin ich ehrlich gesagt schockiert, wie weit wir in so kurzer Zeit gekommen sind. Ich kann es gar nicht fassen.

Ich bin überzeugt, dass ein grosser Teil unseres Erfolgs auf soziale Medien zurückzuführen ist. Sie haben uns zu dem gemacht, was wir sind. Twitter, Instagram, Facebook – all die Leute, die diese Kanäle nutzen, haben Wind von unserer Arbeit gekriegt, kommentiert, empfohlen oder anderen davon erzählt. Sie sind der Grund dafür, dass wir in so kurzer Zeit so weit gekommen sind.

Dazu kommt, dass wir gewagt haben, für neun oder zehn Monate im Jahr auf Tour zu gehen. Während dieser Zeit haben wir einige ganz gute Bilder gemacht. Es gibt so viele Fotografen auf der Welt, die besser sind. Man wird ganz schön bescheiden, wenn man sieht, wie viele Menschen erstaunliche Bilder machen. Unter all denen fühle ich mich sehr klein, deshalb bin ich enorm glücklich, dass wir unsere kleine Nische gefunden haben; unseren eigenen kleinen Bereich, in dem wir gute Arbeit leisten können.

Ashley und du haben vor kurzem geheiratet. Teilt sie deine Leidenschaft für die Fotografie und das Radfahren? Arbeitet ihr im Team oder hat Ashley einen anderen Job?

Ashley hatte immer schon einen Hang zur Kunst. Sie macht wunderschöne Bilder und hat sich unglaublich schnell in der Welt der Fotografie zurechtgefunden. Wir ergänzen uns perfekt, harmonieren super und das macht uns besonders. Wenn Ashley dabei ist, haben wir einfach mehr Ressourcen für gute Bilder: vier Augen, zwei verschiedene Locations, vier Kameras, Nah- und Fern-Einstellungen. Das macht einen enormen Unterschied.

Dann habe ich einen anderen Teil der Frage gleich mit beantwortet. Sie ist Fotografin. Wir sind Fotografen. Wir verbringen jeden Tag fast jede Minute zusammen. Seit dem Jahr 2008 waren wir insgesamt vielleicht eine Woche nicht zusammen. Das hat natürlich Vor- und Nachteile, aber alles in allem ist es einfach grossartig. Sie ist meine beste Freundin, meine grosse Liebe. Mit ihr meine Zeit zu verbringen, herumzureisen, zu fotografieren und Fahrrad zu fahren ist das beste was ich mir vorstellen kann. Ashley hat mich als Fussgängerin kennengelernt, ich war auf dem Fahrrad unterwegs. Eines der ersten Dinge, die ich Ashley geschenkt habe, war ein Fahrrad. Sie hat es gleich ins Herz geschlossen. Dabei ist sie nicht so verrückt wie ich, aber auch sie liebt das Fahrradfahren.

Letztes Jahr wurde dir während des Giro d’Italia dein Laptop mit all deinen Bildern gestohlen. Wie habt ihr die Situation gemeistert und bist du danach noch irgendwie an die verlorenen Bilder heran gekommen?

Es war schrecklich. Das hätte unser Ende sein können, wenn der Giro nicht noch angedauert und uns wieder auf die Beine geholfen hätte. Wir stehen in der Schuld von Michele Acquarone, der uns gleich gefragt hat, was wir brauchen, um wieder an die Arbeit gehen zu können. Das hätte er nicht tun müssen. Er hätte auch nur mit den Schultern zucken und sein Bedauern ausdrücken können. Stattdessen hat er uns geholfen. Jeder beim Giro hat uns geholfen. Ich habe lange nicht mehr über diesen Vorfall nachgedacht. Es war grossartig, wie uns die Leute geholfen haben. Wir haben beim Giro ein paar gute Freunde gewonnen. Ohne diesen Verlust hätten wir diese Art von Hilfsbereitschaft nie erlebt.

Wir haben nie etwas zurückgekriegt. Inzwischen kann ich damit leben. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, ist das einzige, was mich traurig macht, der Verlust einiger Projekte, die wir zwar abgeschlossen, aber noch nicht ins Internet hochgeladen hatten. Wir haben Bilder von einer Reise verloren, die wir in der Vorwoche mit Gamba Tours in Chianti gemacht hatten. Und wir haben unsere Bilder von den Frühlingsklassikern verloren. Wir hatten zwar Bilder mit geringer Auflösung bei Flickr hochgeladen, aber zu dem Zeitpunkt konnten wir keine hochauflösenden Bilder ins Internet laden.

Letzten Endes waren es nur Bilder. Wir haben seither zehntausende Bilder gemacht, HUNDERTAUSENDE. Ich wünschte zwar, es wäre nicht passiert, aber andererseits hat dieser Vorfall unsere gemeinsame Geschichte nicht belastet und wir sind gestärkt aus diesem Zwischenfall hervorgegangen.

Wie viel Zeit verbringt ihr jedes Jahr in Europa? Was schätzt ihr am meisten an Europa und was gefällt euch in den USA?

Dieses Jahr waren wir für neun Monate in Europa. Wir sind Mitte Februar angekommen und Mitte November wieder zurückgeflogen. Es war ein sehr langes Jahr. 2012 waren wir länger in Europa, aber wir hatten eineinhalb Monate Verschnaufpause in der Mitte der Saison und haben ein Projekt in den USA realisiert. Das hat uns geholfen, die Batterien zwischendurch wieder aufgeladen.

Dieses Jahr waren wir die ganze Zeit über in Europa unterbrochen von einem einmonatigen Aufenthalt in Asien. Wir haben bei der Tour of Beijing fotografiert und auch einige Zeit in Japan und Hong Kong verbracht.

Das Beste an Europa? Das Entdecken. Die Art, wie wir leben, bereitet uns eine Menge Freude. Am Ende eines langen Jahres ist man ziemlich ausgepowert, aber es gibt Momente, da können wir nicht anders, als über das zu staunen, was da passiert. Und dann werden wir noch dafür bezahlt, das ist wirklich grossartig. Es ist anstrengend, es ist ermüdend und es ist ganz sicher auch der Grund für einige Reibereien zwischen uns. Aber insgesamt weiss ich, dass es uns wirklich gut geht dabei.

Ich wünschte nur, ich könnte jetzt für einen Monat die Zeit anhalten. Ich liege gerade einen Monat zurück, muss noch zehntausende Bilder durchgehen und bearbeiten, Artikel und E-Mails schreiben und so viel anderes zu tun. Ich brauche ein paar freie Minuten (lacht).

Was fehlt uns? Unsere Freunde fehlen uns. Wir vermissen es, zu Hause zu sein. Ich vermisse manchmal amerikanischen Junk Food, das kostenlose Nachschenken, die Familie, das alles. Ich vermisse das Gute und das Schlechte an den USA, denn damit bin ich aufgewachsen, das kenne ich. Wo wir auch hingehen, wir wirken immer etwas fehl am Platz. Egal, wie vertraut uns alles ist, egal, wie sehr wir es mögen und wie viele neue Freunde wir finden – ich habe gemerkt, dass es nicht Heimat im ursprünglichen Sinn des Wortes ist. Unsere HEIMAT werden immer die USA bleiben. Das war mir vorher nicht klar. Ich dachte immer, dass Europa so viel besser sei und Amerika doof, was man halt so denkt. Ich war ein typischer, aufmüpfiger College-Boy, der Gefallen an Europa gefunden hatte.

Ich bin immer noch ziemlich aufmüpfig, aber jetzt weiss ich, dass Europa nicht perfekt ist, genauso wenig, wie die USA es sind. Ich habe festgestellt, dass beide Kontinente ihre Vorteile haben und wenn es nach uns ginge, dann würden wir das Jahr genau in der Mitte durchschneiden und exakt halb-halb aufteilen. Das wäre perfekt!

Ich kann mir auch nicht vorstellen, nicht nach Hause in die Staaten zurück zu gehen. Egal, wie sehr wir uns in Flandern, Italien oder Österreich zu Hause fühlen, wir brauchen die Zeit zu Hause.

Habt ihr genug Zeit, auch selbst Fahrrad zu fahren? Habt ihr Lieblingsstrecken in den USA oder Europa?

Das kommt darauf an. Bis ungefähr September dieses Jahres hätte ich noch ja gesagt. Ich achte darauf, dass ich mindestens fünfmal die Woche auf dem Rad sitze. Mein Ziel sind 10 bis 15 Stunden. Im Januar fahre ich normalerweise mehr als 25 Stunden pro Woche, im Februar etwa genauso viel. Wenn wir aber erst einmal in Europa sind, habe ich zumeist Mühe soviel zu trainieren. Während des Giro geht es meistens noch, aber der Mai ist ein Alptraum fürs Radfahren. Der Juni ist ein bisschen besser, aber das ist die Saison der Werbe-Shootings, also geht da nicht viel. Der Juli wäre aufgrund der Tour auch nicht ideal, um viel Zeit auf dem Rad zu verbringen, aber da wir die Frankreichrundfahrt nicht abdecken, ist es oft eine gute Zeit, um etwas mehr zu trainieren. Ich liebe den Juli, aber die Hitze ist nicht so mein Ding.

Orte, an denen ich gern fahre sind: Exmoor, die Alta Langhe im Piemont, die südlichen Dolomiten mit dem Monte Grappa als Schwerpunkt, Flandern, Athens in Georgia, Istrien, Heidelberg und Innsbruck.

Meine Lieblingsstrecken: Ich liebe den Anstieg von Kleinvolderberg gleich vor den Toren Innsbrucks. Der ist perfekt. Oder die Rifugio Barricata im Trentino. Ich liebe den Monte Grappa einfach, jede seiner zehn Strecken. Und Bosrede bei Ronse, den Koppenberg, die Muur, obwohl ich zuerst dachte, dass diese Anstiege reine Klischees sind. Aber jedes Mal, wenn ich da um die Kurve fahre und die Kapelle sehe bin ich verliebt. Es gibt noch eine kleine Strasse an der Grenzlinie zwischen Kroatien und Slowenien, die mir immer wieder den Atem raubt. Es fühlt sich an, als sei sie der Weg zum Himmel. Und ich mag die Wege südlich von Athens in Georgia. Da gibt es ein riesiges Netz von Strecken, die sich bis weit in den Süden durch die Landschaft schlängeln. Ich habe viele Lieblingstouren und entdecke immer wieder neue. Ich denke, das macht schon die Hälfte meiner Motivation fürs Radfahren aus.

Welches Rennen fotografierst du am liebsten? Welches siehst du dir am liebsten an?

 

Im Frühling haben wir ein kleines eintägiges Rennen in Brittany fotografiert, die Tro Bro Leon. Ich glaube, Ashley und ich sind uns da einig: Von all den Rennen, welche wir dokumentiert haben war es das schönste. Es war in der Woche nach Paris-Roubaix und das exakte Gegenteil davon, obwohl es auf schlechten Strassen entschieden wurde. Tro Bro Leon ist klein, aber es hat Charakter. Es ist ein schönes, aber unglaublich schweres Rennen.

Nach Tro Bro Leon mag ich insbesondere die Flandernrundfahrt – Dwars door Vlaanderen, E3, Nokere Koerse und andere Klassiker im Norden. Wir mögen auch die Strade Bianche. Chianti wurde so etwas wie ein Zuhause für uns und die Strade Bianche ist ein Rennen auf wunderschönen Strassen, das an einem der schönsten Orte endet, den man sich für ein Fahrradrennen vorstellen kann: Die Piazza Campo in Siena.

Mein Lieblingsrennen als Zuschauer? Flandern. Wenn ich am Renntag auf einem Roller das Renngeschehen verfolgen könnte wäre ich restlos glücklich. Ich kann es wirklich nicht oft genug sagen: Ich finde es dort toll. Flandern hatte für mich schon immer etwas Magisches und das hat sich im Laufe der Zeit kein bisschen geändert. Ich mag dieses Rennen sogar von Jahr zu Jahr mehr.

Ich liebe den Giro und Italien. Aber grundsätzlich ist es nicht mein Ding, grosse Rennen zu fotografieren. Ich kann nicht über drei Wochen hinweg gute Arbeit leisten. Ich bin wohl eher der Klassikspezialist unter den Radsportfotografen, wenn man so will.

Wie sieht bei dir ein typischer Renntag aus? Wann stehst du auf und wann gehst du zu Bett?

Ein typischer Renntag beginnt damit, dass wir so spät wie möglich aufstehen, weil wir normalerweise nicht vor zwei Uhr nachts zu Bett gehen. Ich brauche immer ewig lange für die Arbeit an unseren Bildern. Wenn also das Rennen zum Beispiel um 11 beginnt, stehen wir zwischen 9 und 10 auf. Wir stürmen aus dem Hotel und gehen gleich zu unserem ersten Standort an der Strecke. Wir fotografieren aus Prinzip keine Starts, weil ich die nicht mag. Starts hinterlassen bei mir den Eindruck, dass sie mit viel mehr Nachbearbeitungsaufwand verbunden sind.  An ein Rennen heranzukommen, ist grundsätzlich schwierig und das gilt für den Start und die Zieleinfahrt gleich doppelt, deshalb haben wir die Starts komplett gestrichen und dokumentieren nur ab und zu die Zieleinfahrten. Den Stress der damit verbunden ist sparen wir uns lieber.

In der Regel sagen die Kunden und Fans „ kommt uns bloss nicht mit Starts und Zieleinfahrten.“ Sie wollen schöne Bilder von eindrücklichen Orten oder tolle Rennfotos, und das entspricht auch unseren Vorlieben. Am Abend vorher sehen wir uns die Strecke an und versuchen, so viele Standorte wie möglich zu finden, von denen aus wir fotografieren können. Dabei geht es nicht primär um die Anzahl; ein grossartiger Platz ist besser als 100 durchschnittliche. Wir sind immer auf der Suche nach dem Top-Foto, dem ganz Besonderen. Ich lebe für diejenigen Motive, welche du dir später anschaust und dabei denkst: Wow! Von diesen gibt es nur wenige, aber sie sind die Hauptmotivation für meine Arbeit.

Wenn wir an einem Standort ankommen, sehen wir uns zuerst um. Wir gehen das Gebiet so weit als möglich ab, um herauszufinden, wie wir die Location bestmöglich nutzen können. Man muss sich im klaren sein, dass es bei einer normalen Rundfahrt viele Möglichkeiten gibt. Man stelle sich vor, es gibt zwei Fahrerfelder in einem Abstand von fünf Minuten. Das heisst, dass wir uns trennen und das Feld aus zwei Perspektiven mit insgesamt vier Kameras festhalten. Zwischen den zwei Feldern gehen wir zu einer anderen vorher bestimmten Stelle und machen das Ganze noch einmal. So können wir acht sehr verschieden aussehende Settings für die Bilder von einem Ausgangspunkt abdecken. Wenn es ein Anstieg ist, können es sogar mehr sein, wenn man bedenkt, dass die Fahrer fast eine halbe Stunde auseinander liegen können.

Wenn es noch einen weiteren Standort gibt, sprinten wir zurück zum Auto und versuchen, dahin zu gelangen. Wir hatten schon Rennen, die wir von einem Standort aus fotografiert haben, und mit dem Resultat zufrieden waren. Aber wir hatten auch solche, bei denen es fast 20 Standorte waren, z.B. Gent-Wevelgem.

Nach dem Rennen fährt Ashley am Abend zum Ruheplatz und ich lade die Bilder von den Kameras und beginne mit der Auswahl. Zurück im Haus oder Hotel kümmert sie sich um die E-Mails, die über den Tag reingekommen sind, und ich stürze mich in die Arbeit mit den Bildern. Meist arbeite ich bis tief in die Nacht an den Aufnahmen. Das sind lange Tage.

Deswegen mag ich die mehrwöchigen Rundfahrten nicht. Kurze Etappenrennen und eintägige Rennen sind für mich oder uns viel besser, weil ich gerne auch zwischendurch selbst radfahre. Die grossen Rundfahrten bringen mich ums Radfahren. Ich bin in dieses Geschäft eingestiegen, weil ich es mag auf meinem Bike Landschaften zu erkunden. Je weniger ich diese Möglichkeit habe, desto unglücklicher werde ich. Ich weiss, dass es Zeiten gibt, in denen ich nicht jeden Tag fahren kann, aber das soll nicht zur Regel werden.

Hast du Tipps für junge, aufstrebende Fotografen?

Macht viele Bilder, experimentiert und geht raus in die Welt. Vor allem letzteres möchte ich an dieser Stelle betonen: Geht raus! Zu unserer Hochzeit wünschten wir uns Geld anstelle von Geschenken. Mit dem Geld haben wir unser erstes Auto in Europa gekauft, einen Volkswagen Polo. Er hat 1500 Euro gekostet, aber letztlich mussten wir noch einmal 1000 Euro reinstecken, damit die Fahrzeugprüfung kein Problem darstellte. Wir fanden ein paar Orte, die für einen Aufenthalt genügen und entweder sehr billig oder sogar gratis waren. Und dann sind wir einfach raus gegangen und haben Bilder gemacht, Geschichten geschrieben, entdeckt, etwas gewagt, sind Rad gefahren und haben Leute und Unternehmen kennengelernt, Freundschaften geschlossen. Und wir haben dafür gesorgt, dass jeder, der mit uns sprach, wusste, was wir tun.

Wir haben gar nicht gross nachgedacht. Wir hatten das Gefühl, etwas Besonderes zu tun, es hat uns Spass gemacht und das tut es noch immer. Wenn es schief ging, dann ging es halt schief. Ich meine wir hatten nicht viel zu verlieren? Wir sagten uns, entweder klappt es oder wir gehen halt zurück an die Universität. Wir waren zusammen, glücklich, verliebt und der Rest waren Kleinigkeiten. Wir haben hart gearbeitet, ein paar verrückte Sachen gemacht, an schrägen Orten geschlafen, einfach gelebt und langsam Fortschritte gemacht. Das sage ich in der Vergangenheitsform, aber es ist noch immer so; es gilt für die Vergangenheit, die Gegenwart und definitiv auch die Zukunft.

Für uns persönlich hat das funktioniert. Ich glaube, es hat auch daran gelegen, dass wir zusammen waren. Ich weiss nicht, ob es für jeden so funktionieren würde, aber für uns war es perfekt. Ich denke, ein bisschen lag es auch daran, dass wir uns der Idee verschrieben haben. Wir haben es nicht halbherzig gemacht, sondern zu 100 Prozent und es war ja gewissermassen auch frei von existenziellen Risiken. Hätte es nicht geklappt, dann hätten wir eben etwas anderes versucht.

Davor habe ich jetzt mehr Angst als früher. Damals hatte ich natürlich noch nicht so viel investiert, aber jetzt stecken schon drei ganze Jahre unseres Lebens darin. Ich weiss, das ist nicht viel, aber wir reden hier auch nicht von einem durchschnittlichen Job mit normalen Arbeitszeiten, sondern von einer Sache, die rund um die Uhr Einsatz erfordert. Ganz egal, wie oft ich sage, dass es nicht das Ende der Welt wäre, wenn das scheitert – ich denke, ich würde lange brauchen, um mich davon zu erholen, denn nach dem Radsport ist meine heutige Tätigkeit das Einzige, was ich je mit richtig viel Herzblut getan habe. Das ist schon etwas erschreckend.

Manchmal macht es mir etwas Angst, dass ich nicht ganz so verbissen meinem Job nachgehe wie andere. Es gibt einige Fotografen, neben denen wir beinahe faul aussehen. BrakeThrough Media fällt mir da spontan ein. Wir sind immer wieder aufs Neue erstaunt, was die alles auf die Reihe kriegen.

Ich kann schon noch mehr von mir reingeben, aber das will ich nicht – ich liebe das Radfahren zu sehr. Auf das kann ich nicht verzichten.

Jetzt habe ich die Frage aus den Augen verloren – Tipps für junge Fotografen:

 

Macht Bilder, seid in den sozialen Medien aktiv. Schreibt! Findet Zeitschriften, die mit euch arbeiten. Es war noch nie so einfach, auf Webseiten und in Zeitschriften veröffentlicht  und beachtet zu werden – macht euch das zunutze. Ich wünsche euch alles Gute!

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